Wie funktioniert ortsunabhängiges Arbeiten und was braucht man dafür?
Von Jessica Fichtel am 20/09/2017Alle reden darüber, doch noch immer können sich nur wenige vorstellen, was konkret unter ortsunabhängigem Arbeiten zu verstehen ist. Selbst einige digitale Nomaden, die dieses Arbeitsmodell bereits in der Praxis umsetzen, stellen häufig im Laufe der Zeit erst fest, was genau sie alles benötigen, um ihren beruflichen Traum wahr werden zu lassen. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen einmal genauer erklären, wie ortsunabhängiges Arbeiten funktioniert, welches Equipment Sie dafür brauchen und wie Sie Ihren Chef davon überzeugen, Ihnen einen flexiblen Arbeitsalltag zu ermöglichen.
Frage #1: Wie funktioniert ortsunabhängiges Arbeiten?
Um zu verstehen, wie etwas funktioniert, muss man im ersten Schritt verstehen, was damit gemeint ist. Wenn von ortsunabhängigem Arbeiten die Rede ist, werden immer häufiger im gleichen Atemzug die digitalen Nomaden genannt, die durch die ganze Welt reisen und überall dort, wo es ihnen gerade gefällt, ihren Arbeitsplatz einrichten.
Grundlegend kann gesagt werden, dass nicht jeder, der sich für ein ortsunabhängiges Arbeitsmodell entschieden hat, zwangsweise zum heimatlosen Nomaden werden muss. Es kann genauso gut bedeuten, dass Sie vorrangig im Home Office, hin und wieder aber auch im Coworking Space, im Café, im Park oder an jedem anderen Ort, der Ihnen gefällt, arbeiten. Wichtig ist nur, dass Sie nicht an ein Büro beziehungsweise einen festen Arbeitsplatz gebunden sind, sondern theoretisch (und letztendlich auch praktisch) von überall aus Ihren Beruf ausüben können.
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen natürlich ein paar Voraussetzungen erfüllt werden. Die wohl wichtigste ist ein Job, der ortsunabhängiges Arbeiten ermöglicht. Wenn Sie Ihr Geld beispielsweise als Verkäufer im Einzelhandel oder Handwerker verdienen, ist es deutlich schwerer, ein digital nomad zu werden. Auch Berufsgruppen, die gewissen Schweigepflichten und/oder Berufsgeheimnissen unterliegen, bieten ungünstige Voraussetzungen. Glücklicherweise gibt es jedoch immer mehr Berufe, die ortsunabhängig ausgeübt werden können – sogar deutlich mehr, als Sie vielleicht vermuten. Gerade in der stetig wachsenden Digital-Branche, in der immer neue Berufe entstehen, steckt ein großes Potential für das ortsunabhängige Arbeitsmodell. Grafiker, Redakteure, Programmierer, Lektoren, Übersetzer, Fotografen, Social Media Manager, Coaches… sie alle und noch mehr brauchen kein festes Büro mehr, um ihrem Job nachzugehen.
Die zweite wichtige Voraussetzung für ortsunabhängiges Arbeiten ist, dass Sie grünes Licht von Ihrem Arbeitgeber bekommen. Während die meisten digitalen Nomaden selbstständige Freelancer oder Online-Unternehmer sind, haben es Angestellte oftmals deutlich schwerer, ihren Arbeitsalltag flexibel und selbstbestimmt zu gestalten. Wie Sie Ihren Chef davon überzeugen, Sie von der Büro-Anwesenheitspflicht zu befreien, verraten wir Ihnen weiter unten in diesem Beitrag.
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Voraussetzung #3 ist das richtige Mindset. Wer jahre-, manchmal sogar jahrzehntelang jeden Tag im Büro gearbeitet hat, ist unter Umständen überfordert, wenn er plötzlich alle möglichen Freiheiten hat. Lassen Sie sich gesagt sein, dass eine anfängliche Orientierungslosigkeit keinesfalls ungewöhnlich ist. Wenn Sie die Möglichkeit erhalten, von überall aus zu arbeiten, ist es sinnvoll, sich schrittweise an die neue Situation heranzutasten. Beginnen Sie damit, in den eigenen vier Wänden, sprich: im Home Office, zu arbeiten. Wenn Sie sich daran gewöhnt haben, können Sie für ein paar Stunden ins Café oder an jeden anderen gewünschten Ort gehen. Coworking ist eine tolle Möglichkeit, um der sozialen Isolation zu entkommen und neue (berufliche) Kontakte zu knüpfen. Auch ein regelmäßiger Abstecher ins „alte“ Büro ist denkbar – immerhin sind Sie kein Aussätziger. Doch nicht nur die räumlichen Möglichkeiten, sondern auch die zahllosen Optionen, die die Digitalisierung mit sich bringt, können unter Umständen am Anfang überfordernd sein. Was hier hilft, ist das sogenannte digitale Mindset, das wir Ihnen in diesem Beitrag bereits näher vorgestellt haben.
Die letzte, überaus wichtige Voraussetzung für ortsunabhängiges Arbeiten ist die richtige Büro-Ausstattung. Worum es sich dabei konkret handeln sollte, erfahren Sie im nächsten Absatz.
Frage #2: Was braucht man alles, um ortsunabhängig arbeiten zu können?
Ortsunabhängig arbeiten bedeutet flexibel arbeiten. Um das zu realisieren, sollten Sie nach Möglichkeit von allem trennen, was Sie behindert oder ausbremst – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wuchtige PCs, unhandliche Telefonanlagen, schwere Drucker – all das hat im modernen, ortsunabhängigen Büro nichts zu suchen. Was Sie stattdessen brauchen, verrät Ihnen die nachfolgende Übersicht.
Hardware
Laptop: Ein (möglichst leichter und flacher) Laptop ist das Herzstück Ihrer Grundausstattung. Je nach Beruf ist er mit verschiedenen Programmen ausgestattet. Außerdem sollte er möglichst gut mit Ihrem Smartphone synchronisiert sein, sodass Sie beispielsweise Dateien, Notizen und Informationen hin- und herschicken können.
Smartphone: Das Smartphone ersetzt das Festnetztelefon und sorgt dafür, dass Sie überall, egal wo Sie sich gerade aufhalten, erreichbar sind. Falls Sie unbedingt eine deutsche Festnetz-Telefonnummer benötigen, empfiehlt sich eine Voice Over IP-Telefonanlage.
Kopfhörer: Kopfhörer helfen Ihnen zwar nicht direkt beim Erledigen Ihrer Arbeit, sind aber dennoch ein unverzichtbares Element Ihrer Arbeit. Gerade wenn Sie häufig in Cafés, Coworking Spaces oder anderen belebten Orten arbeiten, werden Sie dankbar sein, die Geräuschkulisse durch Musik etwas eingrenzen zu können.
Spezielle Hardware: Der Blogger braucht Kamera und Mikrophon, der Webdesigner ein Grafiktablet und der Texter eine externe Tastatur. Fast jeder Beruf, der ortsunabhängig ausgeübt werden kann, erfordert hin und wieder spezielle Hardware. Achten Sie darauf, dass diese Sie nie zu sehr belastet und nicht davon abhält, flexibel und selbstbestimmt zu arbeiten.
Software
Cloud-Dienst: Um stets in Kontakt mit Kollegen und Kunden zu bleiben, sollten Sie sich über verschiedene Software-Lösungen informieren. Die Auswahl ist inzwischen riesig. Ein guter Cloud-Dienst ermöglicht Ihnen nicht nur den Tausch von Daten, sondern bietet auch verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation und des Projektmanagements.
Sonstige Tools: Die Liste der Tools für digitale Nomaden ist schier unendlich. Es gibt Apps, um die Zeit für unterschiedliche Projekte zu erfassen und Dokumente einzuscannen, Programme, die Ihnen Ihre Post digital nachsenden und die Ihre virtuelle Unterschrift erfassen. Welche Tools Sie letztlich benötigen, finden Sie durch testen heraus. Ziel sollte es sein, Ihr digitales Büro möglichst papierlos zu gestalten. Auf diese Weise wird letztlich auch der klobige Drucker überflüssig und auch das Notizzettel-Chaos hat ein Ende.
Frage #3: Wie überzeugt man seinen Chef vom ortsunabhängigen Arbeiten?
Wie weiter oben bereits erwähnt, haben Sie als Angestellter nur dann eine Chance, ortsunabhängig zu arbeiten, wenn Ihr Arbeitgeber mitspielt. Diesen überzeugen Sie beispielsweise mit der folgenden Strategie:
- Passen Sie einen Moment ab, in dem Ihr Vorgesetzter gut gelaunt ist und bitten Sie um ein Gespräch
- Eröffnen Sie die Unterhaltung damit, dass Sie sehr zufrieden mit Ihrem Beruf sind, es aber etwas gibt, was Sie stört – beispielsweise ein langer Arbeitsweg oder zu viel Lärm im Büro
- Schlagen Sie die Option Home Office als Lösung vor
- Bitten Sie Ihren Chef um eine einwöchige Probephase
- Untermauern Sie Ihr Anliegen mit diversen Vorteilen der Telearbeit, beispielsweise mehr Motivation, mehr Zeit, weniger Ablenkung, etc.
- Beweisen Sie Ihrem Arbeitgeber in der Probezeit, dass Sie viel produktiver und besser arbeiten – dokumentieren Sie hierfür Ihre Arbeitsschritte und Erfolge sowie die Zeit, die Sie dafür benötigt haben
- Schicken Sie Ihrem Chef außerdem regelmäßige Updates per Mail, sodass dieser weiß, dass Sie tatsächlich arbeiten und nicht faulenzen
- Arbeiten Sie danach wieder zwei Wochen im Büro und dokumentieren Sie auch hier Ihren Arbeitsalltag
- Bitten Sie Ihren Chef um ein erneutes Gespräch und präsentieren Sie ihm die Ergebnisse Ihrer Dokumentation – daraus sollte hervorgehen, dass Sie im Home Office viel mehr schaffen
- Bitten Sie um eine erneute, diesmal zweiwöchige, Telearbeit-Phase und wiederholen Sie die genannten Schritte
- Steigern Sie sich von Mal zu Mal, bis Sie schließlich komplett ortsunabhängig arbeiten können
- Klären Sie alle notwendigen Schritte (beispielsweise Arbeitsschutz, Erreichbarkeit, Datenschutz, etc.)